Persönlichkeit wirklich verstehen: Wie DISG, Naturelle und das Reiss Motivation Profile zusammenspielen

Wer bin ich – und warum handle ich so, wie ich handle? Drei Modelle, die zusammen mehr erklären als jedes für sich allein.


Viele Menschen kennen das Gefühl: Man reagiert in einer Situation so, wie man es eigentlich gar nicht wollte. Man trifft Entscheidungen, die sich im Nachhinein fremd anfühlen. Oder man fragt sich, warum manche Umgebungen Energie geben – und andere sie zuverlässig rauben.

Die Antwort liegt meist nicht im Außen. Sie liegt in der eigenen Persönlichkeit – in Mustern, Motiven und Ausdrucksformen, die oft unbewusst wirken.

Drei Modelle helfen dabei, diese Muster sichtbar zu machen. Jedes beantwortet eine andere Frage. Zusammen ergeben sie ein erstaunlich vollständiges Bild.


Die drei Fragen – und welches Modell sie beantwortet


Frage 1: Wie verhalte ich mich?

Das DISG-Modell

DISG beschreibt vier grundlegende Verhaltensstile – also die Art, wie ein Mensch typischerweise agiert, kommuniziert und auf andere reagiert. Besonders sichtbar wird das unter Druck oder in der Zusammenarbeit mit anderen.

Die vier Stile:

D – Dominant Direkt, entscheidungsfreudig, ergebnisorientiert. Der D-Typ will Wirkung erzielen und handelt lieber einmal zu schnell als gar nicht. Im Meeting ist er derjenige, der sagt: „Können wir jetzt bitte zu einem Ergebnis kommen?“

I – Initiativ Kontaktfreudig, begeisterungsfähig, kommunikativ. Der I-Typ bringt Energie in den Raum, begeistert andere und denkt in Möglichkeiten. Er fragt: „Wie begeistert das die Leute?“

S – Stetig Geduldig, harmoniesuchend, verlässlich. Der S-Typ ist der Ruhepol im Team – loyal, beständig und sensibel dafür, wie es anderen geht. Er fragt: „Wie geht es dem Team damit?“

G – Gewissenhaft Analytisch, präzise, qualitätsbewusst. Der G-Typ prüft, hinterfragt und will verstehen, bevor er handelt. Er fragt: „Haben wir alle Fakten geprüft?“

Wichtig: Niemand ist nur ein Buchstabe. Die meisten Menschen haben eine Kombination mit einem oder zwei Schwerpunkten – und der Stil kann sich je nach Kontext leicht verschieben.


Frage 2: Wie wirke ich – und was steckt in meiner Ausstrahlung?

Die physiognomischen Naturelle

Die Naturelle-Lehre geht auf den deutschen Naturphilosophen Carl Huter (1861–1912) zurück und wurde u.a. von Wilma Castrian und der Berliner Face-Reading-Expertin Eva Dahle weiterentwickelt.

Die Grundidee: Körperbau, Gesichtszüge, Haltung und Bewegungsstil sind kein Zufall. Sie spiegeln die grundlegende Persönlichkeitsausrichtung eines Menschen wider – nicht als Schicksal, sondern als Hinweis. Als eine Art Bedienungsanleitung.

Die drei Naturelle:

Das ökonomische Naturell Denkt in Systemen, wägt ab, plant voraus. Es setzt Energie gezielt ein – nicht verschwenderisch. Genuss und Lebensqualität spielen eine echte Rolle. Äußerlich: eher ruhige, gemessene Ausstrahlung, beobachtend, besonnen.

Das dynamische Naturell Ist auf Wirkung und Umsetzung ausgerichtet. Es handelt, gestaltet, treibt voran. Klare Haltung, klare Ansagen – Stillstand kostet Kraft. Äußerlich: aufrecht, raumeinnehmend, zielgerichtete Bewegungen.

Das Empfindungs-Naturell Ist das feinste Seismografensystem im Raum. Es nimmt wahr, was andere übersehen – Stimmungen, Nuancen, das Unausgesprochene. Es braucht Umgebungen, die sich gut anfühlen. Äußerlich: ausdrucksstarke Mimik, weicher, empfangender Blick, fließende Bewegungen.

Wichtig: Auch hier ist die Mischung die Regel. Ein Hauptnaturell mit Anteilen eines zweiten ist typisch. Das Modell erklärt, warum manche Menschen in bestimmten Umgebungen aufblühen – und in anderen verkümmern, egal wie sehr sie es versuchen.


Frage 3: Was treibt mich wirklich an?

Das Reiss Motivation Profile

Das Reiss Motivation Profile geht tiefer als die anderen beiden Modelle. Es fragt nicht, wie jemand sich verhält oder wie er wirkt – sondern warum er die Entscheidungen trifft, die er trifft.

Der US-Psychologe Steven Reiss hat 16 universelle Lebensmotive identifiziert, die jeden Menschen in unterschiedlicher Ausprägung antreiben:

Unabhängigkeit · Macht · Neugier · Anerkennung · Ordnung · Sparen · Ehre · Idealismus · Beziehungen · Familie · Status · Rache · Schönheit · Essen · Körperliche Aktivität · Ruhe

Jedes Motiv kann stark ausgeprägt, durchschnittlich oder eher niedrig sein.

Das Entscheidende: Es gibt kein richtig oder falsch. Ein hohes Motiv „Ordnung“ bedeutet nicht, dass jemand pedantisch ist. Ein niedriges Motiv „Anerkennung“ bedeutet nicht, dass ihm Menschen egal sind. Es bedeutet nur: Das ist sein Motor – oder eben nicht.

Ein einfaches Beispiel: Zwei Menschen, gleiche Aufgabe, gleiche Rahmenbedingungen. Einer blüht auf, der andere leidet still. Wenn man ihre Reiss-Profile kennt, versteht man sofort warum – und kann aufhören, den anderen zu verändern.

Wichtig: Das Reiss Motivation Profile ist kein Verhaltenstest. Es misst tiefe, stabile Lebensmotive – nicht situative Reaktionen. Das macht es zu einem der ehrlichsten Spiegel, die es für Selbsterkenntnis gibt.


Warum alle drei Modelle zusammen?

Jedes Modell für sich hat blinde Flecken. Erst zusammen entsteht ein vollständiges Bild:

DISGNaturelleReiss
BeantwortetWie verhalte ich mich?Wie wirke ich?Was treibt mich an?
ZeigtVerhaltensstil & KommunikationAusstrahlung & KörperausdruckTiefe Motive & Lebensziele
Besonders nützlich fürTeamdynamik, KommunikationSelbstwahrnehmung, WirkungLebensentscheidungen, Sinn

Wer alle drei kennt, kann aufhören, sich selbst zu bekämpfen – und anfangen, mit sich zu arbeiten.


Was bedeutet das für dich?

Stell dir drei Fragen:

1. Wie verhältst du dich, wenn du unter Druck gerätst – oder wenn du in deinem Element bist? Das ist dein DISG-Profil.

2. In welchen Umgebungen blühst du auf – und in welchen verlierst du Energie, ohne zu wissen warum? Das zeigt dein Naturell.

3. Welche Entscheidungen in deinem Leben haben sich absolut richtig angefühlt – obwohl andere sie nicht verstanden haben? Das sind deine Reiss-Motive.

Du musst diese Fragen nicht sofort beantworten. Aber wenn du anfängst, darüber nachzudenken, wirst du dich selbst – und andere Menschen – mit anderen Augen sehen.


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